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Onefootball Daniel Issroff

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Der FC Bayern kommt in der Bundesliga zu Hause nicht in die Spur. Gegen Freiburg kamen sie über ein 1:1 nicht hinaus.

Es war Spiel Eins nach der Verletzung von Thiago. Der Spanier zog sich am vergangen Dienstag im DFB-Pokal gegen Rödinghausen eine Außenbandverletzung zu, die ihm zu einer Pause von vier bis sechs Wochen zwingen wird. Anders formuliert: Das Hinrundenaus droht.

Falls Ihr es verpasst habt:

Es sollte der erste Sieg für Niko Kovač gegen Christian Streich werden.

FC Bayern München vs. SC FreiburgGrundformationen: FC Bayern – SC Freiburg, 3.11.2018

In zuvor vier Partien, gewann der Bayern-Trainer keines der direkten Duelle. Aufgrund der Verletzung von Thiago schauten viele gespannt auf die Aufstellung im Mittelfeld. Der Bayern-Trainer entschied sich für Joshua Kimmich auf der Sechserposition. Dadurch ergab sich eine veränderte Viererkette, die von Alaba, Süle, Boateng und Rafinha gebildet wurde. Der bereits angesprochene Kimmich hatte Sanches und James auf den Achterpositionen vor sich. Die offensive Dreierreihe bestand aus Robben, Gnabry und Lewandowski.

Niko Kovač nahm somit einige personelle Rochaden vor, aber änderte trotz der Verletzung von Thiago seine taktische Grundausrichtung nicht. Das 4-1-4-1 ist nach wie vor gesetzt.

Auf der Gegenseite stand die Frage im Raum, ob Christian Streich an dem 4-4-2 aus der Vorwoche festhielt oder sie sich für eine Fünferkette entschied. Bei Bekanntmachung der Aufstellung war schnell klar: Streich behielt das 4-4-2 bei. Mit Kleindienst und Höler brachte Streich allerdings zwei Arbeiter auf den Stürmer Positionen, die ihre taktische Aufgabe, das Aufbauspiel des Gegners zu zerstören, sehr gut umsetzen können. Frantz und Haberer sollten den bayerischen Flügelfokus einbremsen. Unterstützt wurden diese von Koch und Höfler im Mittelfeldzentrum. Gerade erster hat sich zunehmend in der Bundesliga etabliert.

Die Münchner hatten die Partie in den ersten 15 Minuten gut im Griff. Die Elf von Niko Kovač zeigte sich sehr variabel und sicher im Pass- und Kombinationsspiel. Auffällig war die starke Asymmetrie der Münchner. James und Sanches haben zumeist versucht gemeinsam eine Seite zu überladen und so Überzahlsituationen zu erzwingen. Da sah phasenweise gut aus, brachte aber nur zwei Halbchancen ein.

Anschließend folgte der Bruch, den das Bayernspiel zuletzt häufig gesehen hatte. Zwar nicht so extrem, aber dennoch spürbar. Individuelle Fehler und Ungenauigkeiten holten Freiburg in die Partie. Diese kamen nun häufiger an den Ball und zumindest in Tornähe der Bayern.

In der 26. Minute verzeichneten die Münchner den ersten ernstzunehmenden Torschuss. Lewandowski wurde von Gnabry steil geschickt. der Pole agierte vor dem Tor allerdings zu zögerlich und fand in Schwolow seinen Sieger.

Viel mehr passierte bis zur Pause nicht mehr. Die Mannschaft von Christian Streich beschränkte sich auf die Zerstörung des Spiels. Dieser Plan ging auf. Die Münchner hatten zwei Torschüsse aufs Tor in den ersten 45 Minuten. Zu wenig für die eigenen Ansprüche.

In der zweiten Halbzeit zeigten sich die Freiburger mutiger und kombinierten sich nach Ballverlusten der Münchner gefälliger nach vorne. Zwingende Chancen waren bis auf ein Abseitstor nach einem Freistoß für die Breisgauer aber nicht dabei. Auf der Gegenseite kamen die Bayern auch nicht wirklich zu Torgefahr.

Wenn es bei den Bayern gefährlich wurde, dann nur, nach Standardsituationen. Ein Freistoß von Lewandowski landete in der Mauer. Gnabry kam mal frei zum Abschluss, aber schoß sich ans eigene Bein.

Kovač brachte Müller und Ribery für James und Robben. Positive Impulse konnten beide nicht einbringen.

In der 80. Minute konnten die Münchner nach einem Freistoß kontern. Nachdem Sanches und Ribéry sich beinahe selbst im Weg standen, kam der Ball über Rafinha zu Gnabry. Der deutsche Nationalspieler probierte es abermals mit einem Dribbling. Zum ersten Mal waren die Freiburger zu passiv. Gnabry traf mit rechts ins kurze Eck. Für den Torschützen kam wenig später Goretzka.

Als alle schon den Arbeitssieg verbuchten, kam Freiburg zum Ausgleich. Heintz spielte Günter auf dem linken Flügel an, der aufgerückte Abwehrmann flankte flach in den Strafraum – und findet Höler vor dem Tor. Der Angreifer drückt den Ball aus rund sechs Metern über die Linie. Neuer hatte keine Chance.

Die Elf von Kovač versuchte es nochmal, aber kam nicht mehr nennenswert zum Abschluss. Am Ende war es das dritte Bundesliga-Heimspiel ohne Sieg. Kurz vor dem Duell mit Borussia Dortmund gab es keine Weiterentwicklung oder gar einen Hoffnungsschimmer. Im Gegenteil. Ja, die Spieler auf dem Rasen leiden unter der schlechten Kaderplanung und den vielen verletzten Spielern. Auch die Form-Krise der deutschen Nationalspieler ist noch nicht überwunden. Letztendlich ist der Trainer aber für die Mannschaft verantwortlich. Hier wird es kurzfristig eine Entscheidung geben müssen.

Dinge die auffielen

Kimmich auf der Sechs

Joshua Kimmich ist dort angekommen, wo er sich selbst wohl am ehesten sieht: Im Schaltzentrum auf der Sechserposition. Die Verletzung von Thiago und der Verkauf von Rudy machten eine Aufgabenänderung nahezu unumgänglich. Javi Martínez spielte in den letzten Wochen häufig auf dieser Position, aber hatte Mühe den Spielaufbau der Münchner zu prägen. Zu häufig ließ er sich zwischen die Innenverteidiger fallen und vergrößerte den Raum zwischen Abwehr und Angriffsreihe.

Kimmich zeigte in dieser Partie, warum er dort durchaus eine Alternative sein kann auf dieser Position. Präsent und mit viel Übersicht präsentierte sich Kimmich. Dabei wirkte er sichtlich bemüht, auch wenn ihm nicht alles gelang. Gerade in Bezug auf die Zweikampfführung. Kimmich verlor seine ersten fünf Zweikämpfe. In drei Szenen resultierte daraus eine durchaus vielversprechende Konterchance für die Breisgauer. Auch in der Schlussphase hatte er einen abenteuerlichen Ballverlust, der nur mit viel Glück nicht zu einem Gegentor führte.

Verfehlte Kaderplanung

So schön der Teilerfolg mit Kimmich auf der Sechserposition ist, so zeigt sie doch auf, wie fragil der Kader des FC Bayern zusammengestellt ist. Durch die Abschiede von Bernat und Rudy nahm die Sportliche Leitung um Hasan Salihamidžić bewusst einen Engpass in Kauf. Dieser wurde heute offenkundig. Alle drei nominellen Außenverteidiger standen in der Startelf. Verletzungen dürfen, somit nicht mehr auftreten. Zumal nicht mal ein Außenbahnspieler der Amateure bzw. der U19 einen Platz auf der Bank bekommen hat. Kovač wird zwangsläufig in den nächsten Wochen auch sein taktisches System hinterfragen müssen, will er nicht mit Goretzka oder Sanches als Außenverteidiger in eine Partie gehen.

Spielerische Sparflamme

Der FC Bayern hat nach wie vor keine Idee, wie er Tore erzielen soll. Der starke Flügelfokus mit Gnabry und Robben wirkte über weite Strecken der Partie kontraproduktiv. Die Freiburger verdichteten mit ihrem 4-4-2 geschickt den Raum. Dadurch ergaben sich wenig Räume. Die Außen wurden gezielt gedoppelt, sodass sich keine wirkliche Möglichkeit gab, sich hier Chancen zu erspielen. Meistens endeten die Szenen mit Halbfeldflanken oder Abschlüsse aus der Distanz, wo meist ein Freiburger Abwehrbein dazwischen war. Alleine 17 Flanken und sieben geblockte Schüsse gab es in der ersten Halbzeit. Hier muss Kovač endlich mehr Esprit und Kreativität zeigen. Überzeichneter könnte man formulieren, dass es hier endlich mal ein Konzept braucht. Schließlich gehören Laufwege und Strafraumbesetzung in seinen Aufgabenbereich. Meistens besetzte Lewandowski alleine den Strafraum gegen zum Teil drei Gegenspieler. Das ist nicht nur leicht ausrechenbar, sondern auch einfach zu verteidigen.

Erschreckender ist auch, dass Kovač keinen Weg findet innerhalb das Spiel auf das Vorgehen der Gegner zu reagieren. Die Partie gegen Freiburg verlief bis auf den Auftakt nach dem gleichen Schema.

Gerade in Heimspielen, wo die Gegner tendenziell eher defensiver spielen, fehlt es aktuell an einem Konzept. Acht Tore in fünf Bundesligaspielen. Ein Tor in der Champions League in einem Spiel.